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Cäsar


Buch 1

Bellum Gallicum 1,31


Latein


[31] Eo concilio dimisso, idem princeps civitatum qui ante fuerant ad Caesarem reverterunt petieruntque uti sibi secreto in occulto de sua omniumque salute cum eo agere liceret. Ea re impetrata sese omnes flentes Caesari ad pedes proiecerunt: non minus se id contendere et laborare ne ea quae dixissent enuntiarentur quam uti ea quae vellent impetrarent, propterea quod, si enuntiatum esset, summum in cruciatum se venturos viderent. Locutus est pro his Diviciacus Haeduus: Galliae totius factiones esse duas; harum alterius principatum tenere Haeduos, alterius Arvernos. Hi cum tantopere de potentatu inter se multos annos contenderent, factum esse uti ab Arvernis Sequanisque Germani mercede arcesserentur. Horum primo circiter milia XV Rhenum transisse; postea quam agros et cultum et copias Gallorum homines feri ac barbari adamassent, traductos plures; nunc esse in Gallia ad C et XX milium numerum. Cum his Haeduos eorumque clientes semel atque iterum armis contendisse; magnam calamitatem pulsos accepisse, omnem nobilitatem, omnem senatum, omnem equitatum amisisse. Quibus proeliis calamitatibusque fractos, qui et sua virtute et populi Romani hospitio atque amicitia plurimum ante in Gallia potuissent, coactos esse Sequanis obsides dare nobilissimos civitatis et iure iurando civitatem obstringere sese neque obsides repetituros neque auxilium a populo Romano imploraturos neque recusaturos quo minus perpetuo sub illorum dicione atque imperio essent. Unum se esse ex omni civitate Haeduorum qui adduci non potuerit ut iuraret aut liberos suos obsides daret. Ob eam rem se ex civitate profugisse et Romam ad senatum venisse auxilium postulatum, quod solus neque iure iurando neque obsidibus teneretur. Sed peius victoribus Sequanis quam Haeduis victis accidisse, propterea quod Ariovistus, rex Germanorum, in eorum finibus consedisset tertiamque partem agri Sequani, qui esset optimus totius Galliae, occupavisset et nunc de altera parte tertia Sequanos decedere iuberet, propterea quod paucis mensibus ante Harudum milia hominum XXIIII ad eum venissent, quibus locus ac sedes pararentur. Futurum esse paucis annis uti omnes ex Galliae finibus pellerentur atque omnes Germani Rhenum transirent; neque enim conferendum esse Gallicum cum Germanorum agro neque hanc consuetudinem victus cum illa comparandam. Ariovistum autem, ut semel Gallorum copias proelio vicerit, quod proelium factum sit ad Magetobrigam, superbe et crudeliter imperare, obsides nobilissimi cuiusque liberos poscere et in eos omnia exempla cruciatusque edere, si qua res non ad nutum aut ad voluntatem eius facta sit. Hominem esse barbarum, iracundum, temerarium: non posse eius imperia diutius sustineri. Nisi quid in Caesare populoque Romano sit auxilii, omnibus Gallis idem esse faciendum quod Helvetii fecerint, ut domo emigrent, aliud domicilium, alias sedes, remotas a Germanis, petant fortunamque, quaecumque accidat, experiantur. Haec si enuntiata Ariovisto sint, non dubitare quin de omnibus obsidibus qui apud eum sint gravissimum supplicium sumat. Caesarem vel auctoritate sua atque exercitus vel recenti victoria vel nomine populi Romani deterrere posse ne maior multitudo Germanorum Rhenum traducatur, Galliamque omnem ab Ariovisti iniuria posse defendere.

Übersetzung


31. Nachdem die Versammlung entlassen worden war, kehrten die gleichen Fürsten der Stämme, wie vorher zu Cäsar zurück und baten darum, dass es ihnen erlaubt sein möge, allein im Geheimen mit ihm über ihre persönliche Zukunft und die aller zu verhandeln. Nachdem sie dies erreicht hatten, warfen sie sich alle weinend Cäsar zu Füßen: Nicht weniger würden sie danach streben und trachten, dass das, was sie gesagt hätten, nicht verraten würde, als danach, dass sie das, was sie wollten, erreichen würden, deswegen, weil sie sähen, dass, wenn es verraten werden würde, sie der höchsten Marter entgegengehen würden. Der Häduer Diviciacus sprach für sie: Es gebe zwei Parteien in ganz Gallien; von diesen hätten die Häduer die Führung der einen inne, die Arverner die der anderen. Als diese untereinander viele Jahre lang so sehr um die Oberherrschaft gestritten hätten, habe es sich ereignet, dass von den Arvernern und Sequanern Germanen gegen Sold zu Hilfe gerufen worden seien. Anfangs hätten ungefähr 15.000 von ihnen den Rhein überquert; später als die wilden und barbarischen Menschen die Äcker, die Lebensweise und den Reichtum der Gallier liebgewonnen hätten, seien mehr hinübergeführt worden; derzeit betrage ihre Zahl in Gallien ungefähr 120.000. Mit diesen hätten die Häduer und ihre Schutzbefohlenen wiederholt gekämpft; besiegt hätten sie eine große Niederlage erlitten und ihren gesamten Adel, ihren gesamten Rat und ihre gesamte Ritterschaft verloren. Durch diese Kämpfe und Niederlagen gebrochen, seien sie, die durch ihre Tapferkeit sowie infolge des Gastrechtes und des freundschaftlichen Verhältnisses mit dem römischen Volk vorher den meisten Einfluss in Gallien gehabt hätten, gezwungen gewesen, den Sequanern die Vornehmsten ihres Stammes als Geiseln zu stellen und durch einen Eid ihren Stamm zu verpflichten, dass sie weder die Geiseln zurückfordern noch Hilfe vom römischen Volk erflehen noch sich weigern werden, unter der andauernden Gewalt und Herrschaft jener zu stehen. Er sei der einzige aus dem ganzen Stamm der Häduer, der nicht dazu gebracht werden konnte, einen Eid zu schwören oder seine Kinder als Geiseln zu stellen. Daher sei er aus dem Stamm geflohen und und nach Rom zum Senat gekommen, um Hilfe zu fordern, weil nur er weder durch den Schwur eines Eides noch durch Geiseln gebunden sei. Aber schlechter als den besiegten Häduern sei es den Siegern, den Sequanern, ergangen, deswegen, weil sich Ariovist, der König der Germanen, in ihrem Gebiet Gebiet niedergelassen habe und ein Drittel des Landes der Sequaner, welches das beste ganz Galliens sei, besetzt habe und nun den Sequanern anordne, aus einem weiteren Drittel zu weichen, deswegen, weil vor wenigen Monaten 24.000 Haruden zu ihm gekommen seien, denen Platz und Wohnsitze beschafft werden müssten. In wenigen Jahren werde es so sein, dass alle aus dem Gebiet Galliens vertrieben werden würden und alle Germanen den Rhein überqueren würden; weder nämlich dürfe man das gallische Land mit dem der Germanen vergleichen noch dürfe man diese Gewohnheit der Lebensweise mit jener vergleichen. Ariovist aber herrsche, seitdem er einmal die Truppen der Gallier in einer Schlacht, welche bei Magetobriga geführt worden sei, besiegt habe, stolz und grausam, fordere die Kinder eines jeden höchsten Adeligen als Geiseln und verhänge über sie alle Arten der Folter, wenn irgendetwas nicht nach seinem Wink und Willen geschehen sei. Er sei ein wilder, jähzorniger und tollkühner Mann: Seine Herrschaft könne man nicht länger ertragen. Wenn es nicht bei Cäsar und dem römischen Volk Hilfe gäbe, müssten alle gallischen Stämme dasselbe tun, was die Helvetier getan hätten, nämlich aus der Heimat auswandern, einen anderen Wohnsitz, andere Siedlungsgebiete, entfernt von den Germanen, suchen und eine andere Bestimmung, wie auch immer sie ausfalle, erproben. Wenn dies Ariovist mitgeteilt worden sei, zweifle er nicht daran, dass er an allen Geiseln, die bei ihm sind, die schlimmste Todesstrafe vollziehe. Cäsar vermöge es entweder durch sein Ansehen, sein Heer, seinen jüngsten Sieg oder durch den Ruf des römischen Volkes, zu verhindern, dass eine größere Menge Germanen den Rhein hinübergeführt werde, und er könne ganz Gallien vor der Willkür Ariovists schützen.

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